NOVEMBER 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
Menschen jüdischer Herkunft und Glaubens aus dem Kontext der Verfolgung und Massenvernichtung über viele Jahrhunderte in Europa und zuletzt durch das Naziregime herauszunehmen, um sie als ganz normale Mitbürger, Familienmenschen, Gläubige des jüdischen Glaubens und Künstler zu sehen, fällt nicht leicht. Wenn wir über Judentum sprechen oder nachdenken, legt sich allzu oft eine Stimmung von Trauer und Schuld über unsere Gemüter.
Stolpersteine an diese Schreckenszeiten mahnen:
Nie wieder!
In unserer aktuellen Ausgabe der eXperimenta wollen wir entgegenwirken, indem wir Künstler:innen vorstellen, die durch ihr künstlerisches Schaffen wirken und jüdischen Glaubens sind. Unsere europäische Kultur ist durchdrungen und geprägt von jüdischer Kunst und jüdischem Leben.
Als gebürtige Wormserin bin ich mit der Selbstverständlichkeit jüdischen Lebens, Wirkens, Kultur und Historie herangewachsen. Wir wohnten gegenüber dem Wormser Dom, der nur wenige Gehminuten vom jüdischen Friedhof entfernt ist. Der „heilige Sand“, wie er auch genannt wird, beherbergt viele berühmte Persönlichkeiten wie den Rabbi Schlomo ben Jizachak, kurz Raschi genannt. Er lebte von 1040 bis 1105 und ist einer der bedeutendsten Kommentatoren von Tora und Talmud in der jüdischen Geschichte. Er studierte um 1060 in der berühmten Wormser Talmudschule. Wir Wormser sind stolz auf unsere jüdische Geschichte, die bestens im Raschihaus, an der wiederaufgebauten Synagoge und dem alten traditionellen Badehaus mitten in unserer Stadt dokumentiert ist.
Im jüdischen Leben steht das friedliche Miteinander, auch mit den anderen Religionsrichtungen, im Mittelpunkt.
So sagt Raschi: „Bedenke, was ihr tut und verhaltet euch in jedem Urteil so, als ob der Heilige – Er sei gepriesen! – vor euch stünde.“ (Kommentar zu 2. Chron. 19,6) „Wirf deinem Nächsten keinen Fehler vor, den du selbst hast.“ (Seder ha – Tefillot 2)
Aus diesen Sätzen spricht Achtung und Respekt seinen Mitmenschen gegenüber, egal welche Religion jemand ausübt oder auch nicht. Immer wieder geht es um ein friedliches, liebevolles Miteinander durch alle Zeiten bis ins Hier und Jetzt.
Shalom
Ihre Gabriela Heins

Gabriela Heins. Ausgebildete Sopranistin, Stimm- und Atemtrainerin. Studium im Creative Writing am INKAS Institut. Freiberufliche Konzert- und Theatererfahrung.
Musikalische und literarische Auseinandersetzung mit dem Werk der Hildegard von Bingen. Sendeleitung und Moderation des eXperimenta Radiomagazins bei Radio Rheinwelle. Redakteurin der eXperimenta seit September 2025.
Mitbegründerin des Musik- und Theaterensembles „Voices Of The Big Bang“.
Gemeinsam mit ihrem Ehemann, Rüdiger Heins, konzeptioniert sie szenisch-musikalische Lesungen und tritt gemeinsam mit ihm bei Veranstaltungen und Buchmessen unter anderem in Frankfurt, Mainz und Leipzig auf.
Unterstützen Sie die experimenta!
Literatur, Kunst und Kultur sind in diesen Zeiten wesentliche Komponenten, um das innere Gleichgewicht aufrecht zu erhalten, damit die Lebensfreude nicht verloren geht.
SWR2 Interview mit Rüdiger Heins
Dass die experimenta einmal so erfolgreich sein würde, hatte sich Rüdiger Heins vor über 20 Jahren wohl nicht gedacht, als das Magazin mit gerade einmal 80 Abonnenten an den Start ging. Mittlerweile sind es mehr als 20.000, die sich regelmäßig monatlich dafür interessieren. Grund genug für „SWR2 am Samstagnachmittag“ mit dem Autor und Regisseur über diesen Erfolg zu sprechen. Carola Hornig hat sich mit Rüdiger Heins unterhalten, auf der folgenden Website gibt es das ganze Interview:
Die Sendung wurde am Samstag 16.4.2022 um 14:05 Uhr ausgestrahlt.

