APRIL 2026
Mario Andreotti
Christliches Osterfest oder reines Frühlingsfest?
Wir stellen seit Jahren fest, dass an unseren Kindergärten und Schulen christliche Feste, wie etwa Adventfeiern oder das Weihnachtsfest, häufig umgedeutet werden. Alles, was für christlich gehalten wird, wie beispielsweise das Singen von Weihnachtsliedern, Krippenspiele oder das Aufstellen von Schulweihnachtsbäumen, soll möglichst vermieden werden. Aus dem Weihnachtsfest wird dann ein weltliches Winterfest, aus dem Sankt-Martinsfest am 11. November ein Lichterfest und aus dem Osterfest gar ein reines Frühlingsfest. Gerade die Umdeutung des Osterfestes ist besonders bedenklich, gehört doch Ostern zum Kern des christlichen Glaubens.
Viele Menschen, die als Christen getauft sind, wissen heute gar nicht mehr, was Ostern überhaupt bedeutet, wofür das Osterfest eigentlich steht. Sie feiern Ostern bestenfalls als legendäres Eiersuch- oder als Gotthardstau-Ritual. Der Grund für dieses Unwissen um die Bedeutung von Ostern dürfte in der zunehmenden Säkularisierung unserer Gesellschaft, d.h. in einem eklatanten Bedeutungsverlust der Religion, liegen. Der Sinn des Lebens wird weithin nicht mehr in der Religion, im Glauben an Gott, sondern als Ausfluss unserer Eventkultur vielmehr in Unterhaltung, Wirtschaft, Sport und vor allem in der persönlichen Selbstverwirklichung gesehen. Dabei könnte diesen Menschen gerade die Botschaft von Ostern, vom Licht des Ostermorgens einen echten, tieferen Sinn verleihen.
Es ist die Botschaft von der Auferstehung Jesu Christi als leuchtende Mitte des christlichen Glaubens. Keiner der vier Evangelisten meldet, wie Jesus auferstanden ist. Niemand war Zeuge, wie er aus dem Grab hervorging. Auch im Bericht in Matthäus 28, 2-4 wird die Auferstehung Christi bereits vorausgesetzt. Diese Tatsache hat die Kritiker und Skeptiker aller Jahrhunderte bewogen, die Auferstehung Christi nicht bloss in Zweifel zu ziehen, sondern rundweg als Lüge und Schwindel hinzustellen. Könnten sie damit doch recht haben? Könnte es sich um einen breit angelegten Betrug handeln? Aber wer, wie Petrus, Paulus und Stefanus, nimmt für einen Betrug den Märtyrertod auf sich? Oder waren die Jünger einfach überreizt, waren sie so verwirrt, dass sie von Phantasiegebilden verfolgt wurden? Aber es geschieht ja nichts Wirres, nichts Übersteigertes. In schlichten Worten berichten die Evangelisten immer neu, es sei ihnen eine Gestalt erschienen. Eine Frau will in ihrer Trauer das Notwendige zur Bestattung des Toten tun. Da plötzlich scheint etwas vor ihr auf. Aber kein Jubel bricht los, sondern Beklemmung, Angst, die erst später Worte findet. Eine Stimme redet sie an: «Frau, was weinst du? Wen suchst du?» Eine Gestalt wird sichtbar. Und plötzlich weiss sie: Er, Jesus, lebt. Das ist alles – nichts Aufsehenerregendes, keine Sensation. Und dieses wenige hat die Weltgeschichte danach aufs Ungeheuerlichste bestimmt und das Leben vieler Menschen radikal verändert. Darüber sollten wir nachdenken, wenn es um die Bedeutung von Ostern als Kern des christlichen Glaubens und nicht um irgendein säkularisiertes Frühlingsfest geht.

Mario Andreotti, Prof. Dr., geb. 1947, ist Literaturwissenschaftler und war als Lehrbeauftragter für Sprach- und Literaturwissenschaft an der Universität St. Gallen tätig. Mitherausgeber der eXperimenta. Er wirkt heute noch als Fachreferent in der Fortbildung der Lehrkräfte an höheren Schulen und leitet Literaturseminare. Daneben ist er Mitglied der Jury für den Bodensee-Literaturpreis und Sachbuchautor. Von ihm erschien im Haupt Verlag Bern unter anderem der UTB Band Die Struktur der modernen Literatur. Neue Formen und Techniken des Schreibens, der längst als Standardwerk der literarischen Moderne gilt und 2022 bereits in 6., stark erweiterter und aktualisierter Auflage vorliegt.
Jugendredaktion bei der eXperimenta
2025 wird die eXperimenta – Das Magazin für Literatur, Kunst und Gesellschaft – „25 Jahre.“ Grund genug, sich für Nachfolger:innen umzusehen. Wir gründen eine eXperimenta-Jugendredaktion, die online einmal im Monat eine Redaktionskonferenz hat. Zwei Mal im Jahr finden auch Redaktionskonferenzen in der Niedermühle bei Odernheim statt. Jugendliche ab 12 Jahren, die Freude und Interesse am Umgang mit Sprache haben, sind herzlich dazu eingeladen, bei der eXperimenta-Jugendredaktion teilzunehmen.
Die Redakteur:innen werden in das Handwerkszeug des journalistischen Schreibens von Reportagen, Beiträgen, Features und Interviews eingeführt. Das Erlernen der Techniken von Kamera- und Mikrophon Technik gehören ebenfalls zu den Lernmodulen der Jugendredaktion.
Interessent:innen können sich bei Rüdiger Heins, dem Herausgeber der eXperimenta, melden:
Telefon 06743 – 909 11 48 oder redaktion@experimenta.de
Unterstützen Sie die experimenta!
Literatur, Kunst und Kultur sind in diesen Zeiten wesentliche Komponenten, um das innere Gleichgewicht aufrecht zu erhalten, damit die Lebensfreude nicht verloren geht.
SWR2 Interview mit Rüdiger Heins
Dass die experimenta einmal so erfolgreich sein würde, hatte sich Rüdiger Heins vor über 20 Jahren wohl nicht gedacht, als das Magazin mit gerade einmal 80 Abonnenten an den Start ging. Mittlerweile sind es mehr als 20.000, die sich regelmäßig monatlich dafür interessieren. Grund genug für „SWR2 am Samstagnachmittag“ mit dem Autor und Regisseur über diesen Erfolg zu sprechen. Carola Hornig hat sich mit Rüdiger Heins unterhalten, auf der folgenden Website gibt es das ganze Interview:
Die Sendung wurde am Samstag 16.4.2022 um 14:05 Uhr ausgestrahlt.

