SEPTEMBER 2020

„Die Sprache prägt unsere Sicht auf die Welt“

Auszug aus dem Editorial von Prof. Dr. Mario Andreotti

Titelbild: Rüdiger Heins, Der Guldenbach bei
Bretzenheim

[…] Dass Sprache ein wichtiges Medium zur Verhinderung von Gewalt ist, das wird von Schule und Öffentlichkeit noch viel zu wenig beachtet. Das muss uns zu denken geben. Es dürfte zudem unbestritten sein, dass durch den sorglosen Umgang mit der Sprache, ja durch Sprachverhunzung auch Unschärfe in das Denken und damit in die Kommunikation dringt. […]

[…] Zu all dem kommt, dass Sprache nicht nur der Kommunikation dient, sondern Bewusstsein schaffen und zwischenmenschliche Beziehungen herstellen kann. Darüber hinaus ist sie unser wichtigstes Kulturgut. Sie prägt nicht nur unser Denken und Handeln, sondern auch unsere Weltsicht. Wer sich sprachlich nicht oder nur ungenügend äussern kann, der kann nicht nur seine Gedanken schlecht ordnen, sondern hat auch keine klare Sicht auf unsere Welt, denn die Welt, in der wir immer schon erfahrend leben, ist stets sprachlich erschlossene Welt.

Daher ist Sprachbildung, und dies nicht nur in der Schule, dringender denn je, soll uns die Sprache als hohes Kulturgut und als unser wichtigstes Werkzeug erhalten bleiben. Tragen wir also, bei aller Wertschätzung sprachlicher Kreativität, Sorge zu unserer Sprache, denn sie ist letztlich die Grundlage unserer kulturellen Identität.

Prof. Dr. Mario Andreotti
Mitherausgeber der experimenta