MAI 2021

Titelbild: Ralf Schindler

Liebe Leserinnen und liebe Leser!

Der Begriff der Entschleunigung ist seit Beginn des neuen Jahrtausends im Duden fest verankert. Etabliert wurde er von Sozialwissenschaftlern, die nach einem Ausweg aus einer immer rascheren, rastlos beschleunigten Konsumgesellschaft suchten. Beachtet wurde diese Fachliteratur zunächst nur wenig, obwohl schon im Jahr 1996 Fritz Reheis “Die Kreativität der Langsamkeit. Neuer Wohlstand durch Entschleunigung“ erschienen war und dieser Begriff dann nach und nach hoffähig wurde. Aber brauchen wir den Begriff, das Phänomen „Entschleunigung“ noch in Zeiten der streng wechselnden Lockdownbestimmungen? In Zeiten von Homeschooling und -office, Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren, erzwungen von einem Virus, der seit mehr als einem Jahr die Politik, die öffentliche Diskussion und die privaten Unternehmungen massiv einschränkt und bestimmt? Ich denke ja, denn viele Menschen haben diesen Trend schon weit vor der Coronakrise erkannt und versucht, Wege aus der Beschleunigungsfalle zu finden. Die geforderten Einschränkungen für die Bevölkerung sind nach wie vor äußerst hart und für viele existentiell bedrohlich. Vielleicht könnte im Lyrischen ein Weg liegen? Viele Zuschriften zu unserem Thema setzten sich gerade in lyrischer Form mit diesem Thema auseinander.

im Lyrischen liegt
ein Geheimnis des Lebens
sinnliches Schwelgen

Einen generellen Ausweg kann ich leider nicht anbieten, lediglich hoffen, dass möglichst viele diese Zeit nutzen, um ihre persönlichen Ziele zu verfolgen und sich auf ihre kreativen Talente besinnen. Auf unsere Ausschreibung zur „Kunst der Entschleunigung“ trafen hier überaus zahlreich interessante Texte, Gedanken und Gedichte ein, die wir nicht in ihrer Vielzahl berücksichtigen konnten, die wir aber für zukünftige Hefte aufbewahren. Wenn alles zu viel wird, vor allem die Fluten von zum Teil sich widersprechenden Informationen, hilft vielleicht auch das Zitat von Bernhard von Clairvaux, Abt und Mystiker im Mittelalter: „Ziehe dich ab und an von dem zurück, womit du dich beschäftigst.“

Viel Freude mit der neuen eXperimenta wünscht

Ihre Dr. Annette Rümmele