APRIL 2021

Titelbild: Ulrich Balß

Liebe Leserinnen und liebe Leser!

Vom „Corona-Blues“ ist die Rede, und von psychischen Krisen, die durch den Lockdown bedingt werden. Gewiss leiden viele Menschen unter dem ungewollten Stillstand, aber wir sollten nicht müde werden zu betonen, dass damit auch große Chancen einhergehen.
In der bereits über ein Jahr andauernden Ausnahmesituation werden wir mit uns selbst konfrontiert und konnten lernen, dass im Alleinsein – oder im Zusammensein mit engsten Familienangehörigen und Partner*innen – eine außergewöhnliche Kraft liegt. Keinesfalls will ich die negativen Aspekte des Stillstands, etwa seelische Störungen bei Schüler*innen und Student*innen, oder die zunehmende häusliche Gewalt, unbeachtet lassen. Dennoch sollten auch die positiven Faktoren des – aufgezwungenen – Rückzugs ins Private hervorgehoben werden. In der Auseinandersetzung mit uns selbst stoßen wir im Idealfall auf ungekannte, ungeahnte Energiereserven. Gerade für kreative Arbeit sind diese unabdingbar. Genießen wir also die Stille und begrüßen sogar eine neuerliche Verschärfung des Lockdowns, die sogenannte Notbremse. Und lassen uns ein auf das Abenteuer der Erforschung unserer Selbst. Im Rahmen dieses Prozesses ist es nützlich, die Ergebnisse anderer Forscher*innen zu Rate zu ziehen, und die Schönheit ihrer Produkte zu bewundern. So finden wir auch in dieser Ausgabe der „experimenta“ wieder wundervolle künstlerische Erzeugnisse; Fotografien, Gemälde, Gedichte, Prosa.
Unermüdlich wird daran gearbeitet, die „Welt zu einem besseren Ort zu machen“, wie Herausgeber Rüdiger Heins es ausdrückt.
Ganz besonders möchte ich auf die in der Mongolei aufgenommenen Bilder von Ulrich Balß hinweisen, und seine Ausführungen über Schamanismus und die Lebensbedingungen nomadischer Stämme.

Viel Freude und Inspiration beim Lesen und Betrachten der vorliegenden Ausgabe!

Ihr Jens-Philipp Gründler