MÄRZ 2021

Titelbild: Jürgen Fiege

Liebe Leserinnen und liebe Leser!

Haiku-Dichtung zeigt sich klassisch in der Form und verbindlich in der Anzahl der Silben. Sie verbindet östliches Denken mit westlichen Gedanken, vermag Unklares zu klären und bleibt konkret in der Struktur. Sie beobachtet anschaulich eine Situation oder ein Ereignis, beschränkt sich dabei auf die unmittelbare Gegenwart und findet Worte für Unerträgliches oder Flüchtiges. Ein Haiku sieht einfach aus, wirkt jedoch tief und verbindet ein Naturerlebnis mit einer Stimmung aus dem Augenblick. Es vermag im Einfachen zu verweilen und dadurch zu heilen. Oft lädt es ein, in die Meditation, in die Stille. Haiku ist eine Form der Welterfahrung, ohne Moralität, ohne Bewertung. Die Einordnung in größere Zusammenhänge, die Erstellung eines tieferen Verständnisses jedes einzelnen Haiku liegt bei Ihnen, liebe Leserinnen und Leser.


Einkehr im Kloster
ein Kuckuck ruft fordernd, will
still meditieren

Für diese Ausgabe erreichten uns zahllose lesenswerte Haiku, die wir in ihrer Gesamtheit hier nicht präsentieren können. Deshalb werden wir wieder eine Rubrik für dieses Genre einführen, so dass ausgewählte Haiku auch in Zukunft hier ihren Platz finden können. Sensibel begleitet der Künstler Jürgen Fiege mit seinen kalligraphischen Zeichnungen dieses Heft.
Viel Spaß beim Blättern, Schmökern und Sinnieren wünscht

Ihre Annette Rümmele