JANUAR 2021

Titelbild: Lothar Thiel

Liebe Leserinnen und Leser,

während die Pole vor sich hinschmelzen, ist der Umgang der Menschen untereinander fühlbar immer kälter geworden. Gibt es da einen Zusammenhang zwischen der Kli­ma­er­wärm­ung und einer zu­nehm­en­den ge­sell­schaft­li­chen Kälte?
Spe­ku­la­tion, alles nur Spe­ku­la­tion. Was aber auffallend ist, so empfinde ich das zumindest ist, eine flächendeckend verbreitete ungezügelte Rohheit im sozialen Zu­sam­men­le­ben. Die Ell­­bo­gen­­ge­­sell­­schaft ist nicht mehr nur eine Metapher, sondern sie hat sich zu einem ge­­sell­­schafts­­fähi­gen Gegen­ein­ander entwickelt.

„Ellbogen sind cool“.

So wie wir dabei zusehen, wie Eisberge vor sich hin­schmel­zen, mit der gleichen stereotypen Kon­sum­en­ten­halt­ung lassen wir es geschehen, dass Menschen einsam in Al­ten­hei­men sterben, dass Menschen im Winter in Zelten erfrieren, oder ihre Notunterkünfte brennen. Feuer und Eis. Da fehlt noch das Element Wasser: Ach ja, Menschen ertrinken immer noch im Mittelmeer. Trotz: „Na ja, Sie wissen schon!“
Vor etwa 21.000 Jahren hat der Homo sapiens die letzte große klimatische Eiszeit überlebt. Ist der Mensch auch dazu in der Lage, eine emotionale Eiszeit zu überleben? Ich fürchte nein:

„Der Zug ist abgefahren!“

Eiszeit, liebe Leserinnen und Leser der eXperimenta. Eine gefühlte Eiszeit. In den nächsten Jahren, nicht in den nächsten Jahrzehnten, bauen sich gesellschaftliche Eisberge auf, die nicht nur die Polkappen zum Schmelzen bringen. Was meinen Sie?

Willkommen in der eXperimenta-Community, willkommen im Jahr 2021!

Rüdiger Heins