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OKTOBER 2017 ZehnFach

Titelbild der eXperimenta von Oktober 2017

Ameisen können das Zehnfache ihres Körpergewichts tragen, ich nicht einmal die Hälfte. Überhaupt jammern wir ob mancher Bürde oftmals viel zu laut – im Gegensatz zu vielen anderen geht´s uns doch blendend!

Denke ich an Geflüchtete, die ihr Zuhause wegen Krieg oder Terror verlassen mussten, Obdachlose, die aus Schicksalsfügungen ihr Dach über dem Kopf verloren, Rentnerinnen und Rentnern sowie sozial Schwache, für die ein neues Paar Schuhe der reine Luxus ist, spüre ich eine Wut in mir über diese eklatante Ungerechtigkeit auf der einen und unfassbare Großkotzigkeit auf der anderen Seite. Verzeihen Sie mir diese krasse Ausdrucksweise, aber ab und zu dürfen deutliche Worte nicht fehlen!

Wenn der Vorstandsvorsitzende eines Konzerns trotz klarer persönlicher Fehlentscheidungen hinausgelobt wird aus seiner Verantwortung und eine fette Abfindung einstreicht, der darunter leidende Lohnempfänger am Ende jedoch womöglich ohne Job und ausreichende Alterssicherung dasteht, sorry, da hört für mich alles auf.

Wenn der dreifache Familienvater nach mehr als vierzig Jahren Erwerbstätigkeit von der Rente seiner halbtagsbeschäftigten Ehefrau leben muss, da er wegen mehrjähriger Arbeitslosigkeit seine Kapital- Lebensversicherung in knappen, selbstständigen Jahren auflösen musste, um seine Kinder satt zu bekommen, ist mir das unbegreiflich.

Gäbe jeder von uns nur ein Zehntel dessen ab, was er in einer Woche verkonsumiert, welchen Zehnfachen Wert hätte dies für die Abseitsstehenden.

Denken wir alle einmal in Ruhe darüber nach – jetzt, wo die kalte, dunkle Jahreszeit beginnt und wir im warmen Kämmerchen unser Sein genießen.

Denken wir an die auf der Straße, die Armen, Hilflosen, Suchenden und Gestrandeten. Sie ins Blickfeld rücken, ihnen ein Sprachrohr bieten, das wird 2018 ein Hauptthema in der eXperimenta werden.

Den Ernst des Lebens, aber auch die heiteren schönen Momente nicht aus den Augen zu verlieren, ist unser Ansinnen.

Ich wünsche uns allen einen entspannten Monat, reich an Momenten, die bemerkenswert und erinnerungswürdig sein mögen.

Ihre Gabi Kremeskötter, Chefredakteurin

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Doppelseiten-Ausgabe / Ausgabe im Einzelseiten-Format

Warum zwei unterschiedliche Ausgaben?

• Die Einzelseiten-Ausgabe eignet sich zum Drucken auf Papier im Format DIN-A4 und zum Zusammenbasteln, zum Blättern.

• Die Doppelseiten-Ausgabe zeigt – quasi »ungeschnitten und am Stück« – die Schönheit der Fotografien bzw. Illustrationen der mitwirkenden Künstler.
Die Doppelseiten-Ausgabe ermöglicht uns, diesen Fotos und Illustrationen den Raum zu geben, den sie benötigen und verdienen. Allerdings bräuchte es für einen adäquaten Ausdruck einen Drucker für das Format DIN-A3, den wohl die wenigsten zu Hause im Einsatz haben dürften. Druckt man die DS-Ausgabe auf DIN-A4 aus, wird jede Seite auf dieses Format minimiert und eingepasst. Zum Lesen ist dann allerdings eine Lupe nötig …

Sonderausgabe: Kreuzweg-Zyklus

Titelbild der eXperimenta-Sonderausgabe Kreuzweg

Eine Künstlerische Auseinandersetzung von den Geschwistern Ursula Berghorn (Bilder) und Paul Bernhard Berghorn (Text)

Wohin führt der Weg des Leidens? Wann endet dieser Weg und endet er jemals? Und Leiden kann zum Irrsinn führen.

Antworten darauf sind meist nur wortreiche Hilflosigkeiten. Die Kunst kann uns einen anderen Weg zeigen, ein anderes wohin durchaus konträr zum Leiden auch, wenn dieser hellere Weg und das hoffendere Wohin unter Leiden entstanden ist. Diese Paradoxie durch Leiden grosses Schaffen – es ist gefährlich Liebling der Götter zu sein, der Sonne, von der Michelangelo sagt, sie ein Schatten Gottes, allein nur diesem Schatten, zu Nahe zu kommen.

Dies ist auch das Leiden von Künstlern: der Dichter Paul Celan schreibt das seherische Wort, welches wohl für jeden Künstler wie für den Menschen an sich gilt: „Wahr spricht, wer Schatten spricht”.

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Sonderausgabe: KURSK

Titelbild der eXperimenta-Sonderausgabe KURSK

1. Kurskistisches Manifest

Timo Krstin

verlesen am 5. Februar 2015, dem 99. Geburtstag von Dada, im Cabaret Voltaire

Die Kursk ist der Versuch, dem herrschenden Diskurs ein Wort entgegen zu setzen, das in seiner Reinheit und Klarheit auf eine höhere Sprache verweist und vielleicht einen Ausweg bietet aus der Verstrickung der Sprache selbst in den herrschenden Diskurs, das Wort die Kursk, oder Kursk, oder Kuss und so weiter.

Die Kursk ist ein Wort, das sich erhebt aus der zeitgenössischen Sprache, die heute weniger denn je in der Lage zu sein scheint, sich aus den Fesseln des tagespolitischen Geschwätzes zu lösen, das Sprache reduziert auf mediale Kommunikation. Trotz ihrer kraftlosen Banalität (denn Sprache selbst als der Mensch in seinem Netz spielt in ihr keine Rolle), trägt das tagespolitische Geschwätz auf unseren Bühnen und in unseren Texten das Versprechen einer höheren Authentizität vor sich her wie das Parlament sein Volk, als Entschuldigung.

Die Kursk ist ein Wort auf dem Weg zu einer Sprache, die sich selber wieder ernst nimmt als das, was sie ist, als Sprache und nicht als Vehikel. Die Kursk ist nicht wahrheitsfähig und auf keine erdenkliche Weise individuell, sie ist die Sprache jenseits einer Sprache, die sich selber nur gerechtfertigt sieht, wenn jemand zu ihr sagt: »Du sprichst Wahrhaftes aus.« Die Kursk hat keinen Bezug zum Ich. Die Kursk hat keinen Bezug zur Tagespolitik. Die Kursk ist kein Vehikel.

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Sonderausgabe

mit einem Essay von Prof. Dr. Mario Andreotti

Titelbild der eXperimenta-Sonderausgabe

In seinem Essay »Wenn ein Gespräch über Bäume wieder möglich wird« gelingt es Prof. Dr. Mario Andreotti mit ausgesuchten Beispielen aus der Weltliteratur, dem Leser die Essenz literarischer Entfaltungsmöglichkeiten, wissenschaftlich abgeleitet, zu entschlüsseln.

Er beschreibt genau einen interaktiven Vorgang in seiner literarischen Entfaltung, auf den der Glücksforscher Milhaly Csikszentmihalyi hingewiesen hat: Die bewusste Benutzung von Worten bereichere unser Leben, ist dieser überzeugt. Unsere traditionelle Form des Erzählens, das »gesprochene Wort«, hat für ihn einen besonderen Unterhaltungswert, der das Wohlbefinden hebt. Die verbale Kommunikation, bei der interaktiv Worte sich zu wertvollen Informationen verdichten, ist für Csikszentmihalyi im Grunde genommen Hauptzweck einer Unterhaltung.

Download der Sonderausgabe WENN EIN GESPRÄCH ÜBER BÄUME WIEDER MÖGLICH WIRD